Vasa Museum – ein ganz besonderes Museum

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Meine ersten Tage in Stockholm habe ich mit den üblichen touristischen Besichtigungen verbracht und die für die Touristen typischen Orte besucht. Den Reichstag, das königliche Schloss, die Nikolai Kirche sowie auch die schmalen Gassen in der Altstadt mit den kleinen Restaurants und Cafés auf Gamla Stan. Da die schwedische Metropole Stockholm auf 14 Inseln erbaut und mit 53 Brücken verbunden ist, sind alle Sehenswürdigkeiten schnell und fußläufig zu erreichen.

Mein Ziel heute war das Vasa Museum auf der Insel Djurgarden. Djurgarden ist entweder mit der Fähre von Gamla Stan oder auch mit dem öffentlichem Nahverkehr zu erreichen. Ich entschied mich für die Djurgarden Fähre, die in knapp 20 Minuten Djurgarden erreicht. Direkt an der Anlegestelle befinden sich Wegweiser zu den einzelnen Museen, also gar kein Problem auf dem direktem Weg mein heutiges Ziel das Vasa Museum zu erreichen.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Djurgarden

Die Insel Djurgarden hat eine Fläche von etwa 2,7 Quadratkilometern, ist zum Teil sehr stark bewaldet und hat nicht einmal 1.000 Einwohner. In früheren Zeiten war Djurgarden das bevorzugte Jagdgebiet der schwedischen Könige und wurde erst Anfang des 19. Jahrhundert durch den Bau herrschaftlicher Villen erschlossen. Im südwestlichem Teil der Insel befindet sich die etwas dichtere Bebauung sowie das Olympiastadion von 1912. Djurgarden ist auch ein Teil des Ekoparken, dem königlichen Stockholmer Nationalpark, der 27 Quadratkilometer groß ist und sich über mehrere Inseln erstreckt. Hier haben Museen wie das Vasa Museum, das Nordiska Museum, das Skansen Freilichtmuseum, das ABBA Museum und noch einige mehr ihre Heimat gefunden.

Stockholm, die schwedische Hauptstadt - meine ersten Eindrücke

Vasa Museum

1981 beschloss die schwedische Regierung ein Vasa Museum zu errichten. Der Baubeginn im Jahre 1987 wurde um eine alte Schiffswerft herum ausgeführt. Man zog die Vasa im Dezember 1988 in das geflutete Dock im halbfertigen Gebäude. Die ersten Besucher durften im Sommer 1989 das Dock mit der halbfertigen Halle betreten und da waren es schon über 200.000 Besucher.

Das Museum wurde im Juni 1990 vom jetzigen König Carl Gustav XVI eröffnet und kostete 200 Millionen SEK. In den Jahren seit der Eröffnung wurde das Museum von mehr als 25 Millionen Menschen besucht. Mittlerweile gehört es zu den am meisten besuchten Museen in Skandinavien.

In der 34 Meter hohen Haupthalle können auf einer Fläche von 12.540 Quadratmetern neben der Vasa noch viele andere archäologische Fundstücke, die aus der Schifffahrt des 17. Jahrhunderts stammen, besichtigt werden. Über sechs Ebenen kann das Schiff von allen Seiten über einen Rundweg, auf allen Ebenen, besichtigt werden.

Geöffnet ist das Vasa Museum

  • in den Sommermonaten Juni bis August von 08.30 Uhr bis 18.00 Uhr
  • in den Wintermonaten von September bis Mai von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
  • und am Mittwoch von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr 

Der Eintritt beträgt

  • Erwachsene 130  SEK
  • Kinder bis 18 Jahre ist der Eintritt frei
  • Studenten – mit Ausweis – 100 SEK

Für Stockholm-Paß Inhaber ist der Eintritt frei.

Mehrmals am Tage finden Führungen in Englischer Sprache statt. Der Film über die Vasa wird mit englischen Untertiteln stündlich im Museumskino gezeigt.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Die Vasa

Die Vasa eine Galeone mit einer Länge von etwa 69 Metern und einer Breite von 12 Metern und einer Höhe von 52 Metern am Großmast. Die gesamte Segelfläche lag bei rund 1.300 Quadratmetern. Die Vasa war mit 64 Kanonen bewaffnet.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Der Schiffsbau begann 1626 unter der Leitung des niederländischen Schiffsbauer Hendrik Hybertsson. 400 Arbeiter wie Zimmermänner, Schreiner, Schmiede, Segelmacher und aus anderen relevanten Berufen arbeiteten an der Vasa.

Für den Bau wurde nur bestes Eichenholz verwendet. Die Vasa sollte ein Kanonendeck erhalten, aber als König Gustav II Adolf erfahren hatte, dass in Polen ein ähnliches Schiff gebaut werden sollte musste auf seine Anweisung hin ein zweites Kanonendeck mit der gleichen Anzahl an Kanonen gebaut werden. Durch das höhere Gewicht bekam die Vasa mehr Tiefgang sodass die Öffnungen für die unteren Kanonen bei einer leichten Schieflage bereits unter der Wasserlinie lagen.

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Das Schiff wurde mit über 700 Figuren verziert, die dem Gegner Stärke demonstrieren und ihn ängstigen sollten. Es handelte sich um Figuren aus der Bibel, aus Sagen, Löwen und auch nur Fantasiegestalten.

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Das Schiff wurde zum Ufer vor Burg „The Kronor“ gebracht. Hier sollte die Stabilität des Schiffes getestet werden. Für den Test ließ man 30 Mann der Besatzung von einer Seite des Schiffes zur anderen rennen. Das Schiff schwankte dabei so sehr, dass der Versuch sofort abgebrochen wurde.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Trotz dieses Problems ließ man den Anker hissen und setze vier Segel. Nach etwa 1.300 Metern ließ eine Windböe das Schiff kentern. Es sollen zwischen 30 Menschen und 50 Menschen ihr Leben dabei gelassen haben.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Die Bergung

Bereits kurz nach dem Untergang wurden die ersten Bergungsversuche unternommen, die jedoch alle kläglich scheiterten. Erst 1663 gelang es Tauchern 53 bronzene Kanonenrohre aus dem Wrack zu bergen. Einige Jahre später wurden die aus dem Wasser ragenden Masten gekappt um die Hafeneinfahrt frei zu bekommen.

Seit 1951 suchte der Meeresarchäologe Anders Franzen nach dem Schiff, dass dann auch von ihm 1956 gefunden wurde. Das Schiff befand sich noch in einem recht guten Zustand. Zwei Jahre lang spülten Taucher sechs Tunnel unter das Wrack um später Pontons und Stahltrosse daran zu befestigen um das Schiff zu bergen. Das Schiff wurde dann in seichteres Wasser gebracht. Hier wurden dann die Kanonenöffnungen und der Schiffsrumpf abgedichtet um das Schiff endgültig zu bergen. Die Bergung war dann schließlich im April 1961.

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Das Schiff wurde vom Schlamm und Sonstigem befreit und in ein Trockendock geschleppt. Bei der Reinigung fand man viele Holzteile, geschnitzte Figuren, einige Kanonen,  Textilien, Leder und noch vieles mehr aus der Zeit König Gustav II Adolf.

Vasa Museum - ein ganz besonderes MuseumDie Restaurierung

Die Vasa wurde nach ihrer Bergung 1961 auf eine provisorische Werft gebracht. Hier begann man das Schiff und die vielen Einzelteile zu restaurieren. 17 Jahre lang imprägnierte man das Holz mit Polyethylenglycol um ein schrumpfen und reißen des Holzes zu vermeiden. In den 300 Jahren, die das Schiff im Wasser lag sind die meisten Eisenbolzen weggerostet und man musste bei der Restaurierung einige Teile erneuern. 95 Prozent der Originalteile sind noch vorhanden. Die fehlenden und beschädigten Teile wurden am Schiff zwar ersetzt, aber nicht gestrichen.

Vasa Museum - ein ganz besonderes Museum

Die Restaurierung begann nach der Bergung und Reinigung und dauert immer noch an. Als Museumsbesucher sieht man immer noch wie in und an dem Schiff gearbeitet wird.

Es ist schon etwas ganz besonderes dieses Museum. Man ist beim ersten Anblick der Vasa ganz fasziniert von der Größe des Schiffes mit seinen ganzen Verzierungen. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass das Schiff vor über 300 Jahre gebaut wurde und zudem noch fast die ganze Zeit unter Wasser lag.

Als „Stockholm-Tourist“ sollte man den Besuch ins Vasa Museum sich auf keinen Fall entgehen lassen.