Ringkøbing Fjord & Hvide Sande – Reiseführer für Westjütland





Wenn ich an Dänemark denke, denke ich sofort an freundliche, hilfsbereite Menschen, eine schöne Kultur, gemütliche Restaurants, kleine Boutiquen, feines Kunsthandwerk und eine atemberaubende Natur mit kilometerlangen Stränden. Nach einem Jahr auf der wunderschönen Insel Bornholm hat es mich in die Region Hvide Sande am Ringkøbing Fjord gezogen – und ich nehme dich mit: von der Anreise über das Kunsthandwerk bis zu den schönsten Sehenswürdigkeiten und meinen Restaurant-Tipps.
| Land | Dänemark |
| Ziele | Europa · Hvide Sande · Museum · Ringkøbing |
Nach der angenehmen Anreise und dem Zwischenstop in Hvide Sande für eine kleine Strandwanderung war ich in Ringkøbing am Ringkøbing Fjord angekommen. Der lange und sehr breite Sandstrand in Hvide Sande mit den sehr hohen grasbewachsenen Sanddünen hat mich sofort begeistert. Ich liebe es, stundenlang am Wasser entlang zu laufen und ganz einfach meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Nach circa zwei Stunden wurde es nun Zeit für mich weiter zum Hotel zu fahren. Das Hotel Fjordgården war mein „zu Hause“ für den Aufenthalt hier in Westjütland.

Hotel Fjordgården in Ringkøbing
Das Hotel Fjordgården wurde 1967 eröffnet und liegt nur circa fünf Minuten fußläufig von Ringkøbing’s Stadtkern entfernt. Das Hotel hat 98 Zimmer, die sich über zwei Etagen verteilen. Die Zimmer sind modern mit schönen und schlichten Holzmöbeln eingerichtet. Vom Balkon aus bietet sich eine schöne Aussicht auf die Gartenanlage und den Fjord.

Der geräumige und schön eingerichtete Frühstücksraum bietet einen freien Blick auf die Terrasse und die Gartenanlage. Das reichhaltige Frühstücksbuffet bietet alles, was zu einem guten und gesunden Frühstück gehört wie Müsli, Yoghurt, verschiedene Brotsorten und vieles mehr. Außerdem steht den Hotelgästen den ganzen Tag über Kaffee, Tee und Wasser in der Lobby kostenlos zur Verfügung.
Zudem verfügt das Hotel über Seminarräume in unterschiedlichen Größen, die alle mit der modernsten Technik ausgestattet sind. Die Räume sind so gestaltet, dass sie sich auch sehr gut für Feierlichkeiten wie Hochzeiten, einen besonderen Geburtstag oder ein Jubiläum eignen.

Restaurant im Hotel Fjordgården – Brasserie
Das À la carte Restaurant Brasserie ist im vorderen Bereich des Hotels untergebracht. Die Brasseire ist mit sehr edlen und dunklen Möbeln eingerichtet und strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus.

Der Küchenchef Nicklas Nielsen und sein Team zaubern mit biologisch angebauten und regionalen Zutaten fantastische Menüs auf den Teller. Neue Kreationen erscheinen mehrmals im Jahr auf der Speisekarte und die Weine werden in Zusammenarbeit mit dem Sommelier darauf abgestimmt. Zudem ist das Hotel Fjordgården Mitglied von „Culinary West Jütland“, einer Vereinigung die sich dafür einsetzt, lokale Lieferanten aus Westjütland in den Mittelpunkt zu stellen.
Um einen schönen und entspannten Abend in der Brasserie genießen zu können, sollte man sich einen Tisch reservieren lassen.

Stadt Ringkøbing
Die Geschichte der Stadt Ringkøbing geht vermutlich auf das 13. Jahrhundert zurück und zählt zu den ältesten Handelsstädten in Dänemark. Durch die geschützte Lage am Haff verfügte damals Ringkøbing über den einzigen Hafen an der dänischen Nordseeküste. Als im 17. Jahrhundert die Einfahrt in den Fjord immer mehr versandete verlor der Hafen an Bedeutung. Erst mit der Fertigstellung des Hvide-Sande-Kanals im Jahre 1931 wurde die Verbindung des Fjordes mit der Nordsee wiederhergestellt.

Das Zentrum von Ringkøbing bildet der Marktplatz mit der Kirche, dem alten Rathaus und dem Ringkøbing Hotel, einem Fachwerkgebäude aus etwa dem 16. Jahrhundert. Außerdem findet man in den kleinen gepflasterten Straßen die typischen flachen Backsteinhäuser mit ihren Ziegeldächern in denen oftmals Kunsthandwerker arbeiten und ihre schönen Waren zum Verkauf anbieten. Zudem laden die vielen Restaurants und Cafés zu einer kleinen Pause nach einem Bummel durch die Geschäftsstraßen ein.
Jedes Jahr wird in Ringkøbing an zwei Tagen im Juni der Kalender um 300 Jahre zurückgestellt. Dann lebt die Stadt wieder im 17. Jahrhundert. In den Straßen werden alte Tänze aufgeführt, Gaukler und Handwerker ziehen umher, die Einwohner kleiden sich in Kostümen der Zeit und machen die Geschichte wieder lebendig.

Kunsthandwerk am Ringkøbing Fjord
Mit dem dänischen Kunsthandwerk verbindet man vor allem Schmuck, Keramiken, Malerei und schöne Holzarbeiten. So findet seit 2017 der allseits beliebte Kunsthandwerkermarkt statt. In der Nebensaison circa alle vier bis sechs Wochen und in den Monaten Juli und August immer montags von 10.00 – 17.30 Uhr in der Vester Strandgade bis hinunter zum Hafen. Waren in den Anfängen nur wenige Händler dabei, so sind es heute oftmals mehr als 20, die ihre ausgefallenen Arbeiten anbieten und immer zu einem kleinen „Plausch“ mit ihren Kunden bereit sind.
Ich hatte die Gelegenheit zwei Künstlerinnen und zwar Lone Keilberg und Hanne Marie Leth Andersen in ihren Ateliers zu besuchen und ihnen bei der Arbeit „über die Schulter“ zu schauen.

Schmuckdesignerin Lone Keilberg
Lone Keilberg eröffnete ihr Geschäft in der Vester Strandgade 2016. Die gelernte Bürokauffrau hat schon immer kreativ mit Leder, Perlen und Steinen gearbeitet bevor sie vor etwa fünf Jahren anfing besonderen Schmuck erfolgreich herzustellen. In unserem Gespräch erzählte sie mir, dass sie ihre Inspiration für die einzigartigen Schmuckstücke durch das Leben am Fjord erhält.
Ganz individuell fertigt sie nach Kundenwunsch besondere Schmuckstücke an. Gerne verarbeitet Lone dabei auch alten Schmuck von der Mutter oder der Großmutter wie z. B. den Ehering, der so weiterhin in Ehren gehalten wird.

Der Kunsthandwerkermarkt in Ringkøbing geht auch auf die Initiative von Lone Keilberg zurück. Als sie als Jugendliche in Paris war hat sie das Leben in den engen Gassen und auf den Straßenmärkten kennen- und lieben gelernt. Während der Jahre, die sie in Aarhus gelebt hat, waren es wieder die Straßenmärkte, die sie begeisterten und so war sie der Meinung, was in Paris und Aarhus funktioniert, muss auch in Ringkøbing funktionieren und es funktioniert.
Nach meinem Besuch bei Lone Keilberg war mein nächstes Ziel die Töpferei von Hanne Marie Leth Andersen in der Vester Strandsjberg.

Keramikdesignerin Hanne Marie Leth Andersen
Die Keramikerin Hanne Marie Leth Andersen hat ihren Abschluss auf der Kunstgewerbeschule Kolding, in Dänemark gemacht. Im Anschluss daran vervollständigte sie in Italien ihre Ausbildung und zwar in Faenza und in Neapel. Zwölf Jahre hat Hanne Marie in Italien gelebt bevor sie mit ihrer Familie 2006 nach Ringkøbing zurückkam.

Ihr „Markenzeichen“ in ihren Arbeiten ist die Badewanne, die sie erstmals für einen Freund geformt hat, der immer nur die Badewanne und niemals die Dusche benutzt hat. Heute gibt es die Badewanne in verschiedenen Größen und mit vielen unterschiedlichen Figuren, die jede einzelne Badewanne zu einem ganz besonderen Kunstwerk machen. Mittlerweile ist ihre Auswahl an Keramiken sehr groß geworden. Zu den Badewannen hinzugekommen sind Becher, Tassen, Flaschenverschlüsse, Figuren und vieles mehr.

Ihre Arbeiten sind alle in Fayence oder in Porzellan gefertigt und fast alle sind Unikate. Sie selbst sagt über ihre Arbeit: „Sie sind fantasievolle und erzählende Keramiken.“
Nach meinem Besuch bei Lone Keilberg und Hanne Marie Leth Andersen in Ringkøbing ging es für mich nach Hvide Sande zu dem Künstlerhaus Art 56. Auf dem Weg dorthin habe ich noch einen kleinen Zwischenstop in dem Dorf Kloster eingelegt, bei der Firma Kloster Design.

Kerzenfabrik Kloster Design
Gegründet wurde die Kerzenfabrik und der Handwerksladen 1975 von Anni und Henry Sørensen, die das Unternehmen über viele Jahre aufgebaut und geführt haben. Als sie sich aus Altersgründen zur Ruhe setzten, kam das Unternehmen für eine kurze Zeit in „fremde Hände“.
Im Jahre 2016 haben Charlotte, die Tochter von Anni und Henry Sørensen und ihr Mann Sebastian Schaper den Betrieb wieder übernommen und führen nun das Lebenswerk der Eltern weiter. Ich habe bei meinem Besuch bei Kloster Design Charlotte Schaper kennengelernt und sie hat sich die Zeit genommen, mir alles zu zeigen und zudem angeboten, mich auch durch die Produktion zu führen.

Gerne habe ich das Angebot angenommen und bin mit ihr durch die Produktion gelaufen und habe mir alles angesehen und einige ihrer Mitarbeiter kennengelernt.
In der Kerzenfabrik werden durchgefärbte Kerzen in 38 Farben und 15 Standardgrößen hergestellt. Die heutigen modernen Maschinen stellen je nach dicke der Kerzen zwischen 280 und 600 Kerzen bei jedem Prozess her.

Die Dochte werden je nach der entsprechenden Größe der Kerzen auf eine Tauchstellage gespannt, die anschließend in den flüssigen Wachs getaucht wird. Nach dem Trocknen werden die Dochte maschinell geschnitten und die Kerzen in Handarbeit für den Verkauf verpackt.

Der Wachs wird als helles Granulat in Säcken angeliefert und bei der Schmelze die gewünschte Farbe hinzugefügt. Der flüssige, gefärbte Wachs wird zum Erkalten in eine Form gegossen und als Block gelagert um bei Bedarf wieder geschmolzen zu werden.
Ich fand die Führung sehr interessant vor allem wenn man bedenkt, dass es so gut wie keinen Abfälle bei der Herstellung der Kerzen anfallen. Der Wachs kann später wieder genutzt werden und die abgeschnittenen Dochte werden als Kaminanzünder verkauft.

Kunsthandwerks-Shop
Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern findet der Besucher eine riesige Auswahl an sehr schönen und hochwertigen Geschenkartikeln. Artikel vieler skandinavischer Designer aus Glas, Holz, Leinen und Keramik sind hier zu finden wie z. B. Keramik von Willer-Keramik und die wunderschönen Vasen von Lindform. Die eigenen Kerzen nehmen natürlich einen großen Bereich ein und bei Kloster Design ist das ganze Jahr über Weihnachten. Auf 30 Quadratmetern findet man schönen und ausgefallenen Weihnachtsschmuck für die Wohnung und den Weihnachtsbaum.

Stelle deine eigenen Kerzen her
Ich glaube, jeder hat schon einmal aus Kerzenresten seine eigenen Kerzen hergestellt. Den Wachs geschmolzen, in eine Form gegossen und erkalten lassen. Aber Kerzen richtig professionell hergestellt haben wohl die wenigsten von uns. So war es für mich sehr interessant, als ich gelesen hatte, dass Kloster Design das Tauchen von Kerzen für alle anbietet. Es macht Spaß und zudem ist man später noch sehr stolz auf seine selbstgezogenen Kerzen.

30 verschiedene Farben stehen zur Verfügung und jeder kann selber entscheiden, wie seine Kerzen einmal aussehen sollen. Das Tauchen dauert circa eine Stunde und nochmals mindestens 30 Minuten müssen die Kerzen trocknen. Bezahlt werden die Kerzen nach Gewicht.
Während die Kerzen trocknen nutzt man am Besten die Zeit entweder zu einem Einkaufsbummel im Shop oder genießt den hausgemachten Kuchen in Charly’s Café.
Charly’s Café
Charly’s Café ist ein sehr schönes und rustikal eingerichtetes Restaurant mit einem kleinen Außenbereich. Im Café werden die italienische Kaffeespezialitäten und hausgemachte Torten serviert. Eine besondere Spezialität des Hauses ist der warme Apfelkuchen mit Sahne. Außerdem hält die Speisekarte auch kleine warme Gerichte bereit.
Nach dem Besuch bei Kloster Design, den ich sehr interessant fand und der mir zudem wirklich sehr viel Spaß gemacht hat, ging es nun weiter nach Hvide Sande.

Künstlerhaus Art 56
Das Künstlerhaus Art 56 liegt in einer kleinen Ferienhausanlage am Tyskernhavnen in Hvide Sande. Das kleine Ferienhaus mit seinen 50 Quadratmetern ist für den jeweiligen Bewohner für 14 Tage Wohnung und Atelier. Vor allem Maler sind inspiriert von der Lage und den Lichtverhältnissen in Hvide Sande. Auf der einen Seite der Fjord und die Nordsee auf der anderen Seite.

Von Juni bis November ist es für Besucher von Sonntag bis Donnerstag in der Zeit von 12.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. So bekommt man die Gelegenheit, dem Künstler bei der Arbeit zu zusehen. Jeder der Künstler hinterlässt bei seiner Abreise ein „kleines Andenken“ wie ein kleines Bild, einen Handabdruck oder ähnliches für die Nachwelt im Haus. Während meines Besuches war der Leipziger Bildhauer und Grafiker Jan Thomas im Art 56 und hat einige seiner Skulpturen fertiggestellt.

Vom Künstlerhaus Art 56 ging es weiter an den Schleusen vorbei, die die Wasserstände und die Passage zwischen der Nordsee und dem Fjord regulieren, weiter zum Dünenstrand. Nach einem langen Strandspaziergang, der für mich nie lang genug sein kann, machte ich mich auf den Weg nach Søndervig.

Sandskulpturenfestival in Søndervig
Dieses Jahr findet das 17. Internationale Sandskulpurenfestival in Folge statt. Von der Straße aus, hatte ich bereits die hohe bräunliche Mauer gesehen und mich schon gefragt, was da wohl hinter sein konnte.
Aber in dieser 7 Meter hohen und 200 Meter langen Sandmauer sind Skulpturen zum diesjährigen Thema „Roboter“ zu sehen, die von 40 Künstlern gestaltet worden sind. Außerdem ergänzen zehn Soloskulpturen das riesige Kunstwerk.

Für mich war es das erste Mal, dass ich Sandskulpturen in dieser Größe gesehen habe und fand sie schon sehr beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, alles ist aus Sand. Das Sandskulpturenfestival ist noch bis zum 27. Oktober 2019 geöffnet.
Mittlerweile war es Abend geworden, sodass es für mich zurück zum Hotel Fjordgården ging, wo mich ein Abendessen im Restaurant Brasserie erwartete.

Das Abendessen in der Brasserie war wirklich hervorragend. Hier hat der Küchenchef wirklich ein tolles Menü auf den Teller gezaubert und der dazu gereichte Wein war sehr gut gewählt. Alles harmonierte sehr gut zusammen und der Service war sehr freundlich, ohne jedoch aufdringlich gewesen zu sein.

So hat mein ereignisreicher Tag mit dem fantastischen Abendessen einen sehr schönen Abschluss gefunden und in den nächsten Tagen werde ich mir einige Sehenswürdigkeiten und Museen ansehen, aber dazu später mehr.
Rinkøbing Fjord – Sehenswürdigkeiten
Ich hatte mir bereits vorher angesehen, welches die 10 Top-Sehenswürdigkeiten rund um den Ringkøbing Fjord sind und dazu gehören:
- Ringkøbing Museum
- Befestigungsanlage Houvig
- Leuchtturm Lyngvig Fyr
- Bundsbæk Mølle
- Skjern Vindmølle
- Hof Abelines Gaard
- Vikingehavn in Hemmet
- Gasthof Fahl Kro
- Kunstmuseum Arne Haugen Sørensen
- Flugzeugmuseum
Einige Museen habe ich besucht und werde sie etwas genauer vorstellen.

Ringkøbing Museum
Der Ringkøbing Museumsverein wurde 1908 gegründet, einmal zu dem Zweck, das Ringkøbing ein Museum bekommt und die Traditionen der Region für die Nachwelt nicht verloren gehen. In den Anfangsjahren war die Ausstellung im Dachgeschoss der Dorfschule untergebracht bis man 1921 die Villa des örtlichen Arztes kaufte. Die Villa wurde renoviert und die feierliche Eröffnung fand im November 1922 statt. Im Museum ist die Geschichte Westjütlands und der Region rund um den Ringkøbing Fjord ausgestellt.

Einen besonderen Teil nimmt die Ausstellung „Flieger der Nacht“ ein. Diese Ausstellung führt uns in den zweiten Weltkrieg zurück und zu den 19 Flugzeugen, die vor der Küste abgestürzt sind. Ein rekonstruierter Bunker, viele Gegenstände und Bilder sind Zeitzeugen der Geschichte. Der junge Soldat Gerhard Saalfeld diente in der Befestigungsanlage Houvig. Seine hier ausgestellte Geschichte zeigt das Leben der Soldaten in einer Befestigungsanlage.
Die Ausstellung „Flieger der Nacht“ sollte man mit einer Führung durch die Befestigungsanlage Houvig, nördlich von Søndervig, verbinden. Während der Bunkerführung erfährt man einiges über das Ende des Zweiten Weltkrieges an der dänischen Küste.

Gegenüber des Museums befindet sich das ehemalige Justizbüro, das heute zum Museum gehört. In diesem Gebäude ist eine Ausstellung mit Gemälden von Jesper Kirkegaard zu sehen. Er malte die Menschen und das Leben in Ringkøbing sehr detailliert im 19. Jahrhundert.

Befestigungsanlage Houvig
Nach meinem Besuch im Ringkøbing Museum habe ich mich auf den Weg zur Befestigungsanlage Houvig gemacht, die circa vier Kilometer nördlich von Søndervig liegt. Eine schmale Straße führt zu dem Houvig Strandparkplatz, dem Treffpunkt für die „Bunkerture“. Eine Taschenlampe sollte man nicht vergessen, da einige Bunker besichtigt werden können.
In der Dünenlandschaft und mittlerweile auch am Strand befindet die Kryle-Ringelnatter-Stellung, die zum Atlantikwall gehörte. Während des zweiten Weltkrieges wurde im Rahmen des Küstenschutzes der Atlantikwall errichtet. Der Atlantikwall war 2.685 Kilometer lang und zog sich an den Küsten Frankreichs, Belgiens, Niederlande, Dänemark und Norwegens entlang. Der dänische Teil wurde erst 1943-44 errichtet.

Die Kryle-Ringelnatter-Stellung umfaßte 50 Bunker, 50 andere Betonanlagen und Holzbauten, die durch Stacheldraht und Minenfelder gesichert waren. Mit einer sachkundigen Führerin begann die Tour in den Dünen. Während der Führung sieht man Teile und Grundrisse der Gebäude und Bunker, einige sind noch sehr gut erhalten wie der Kommandobunker, der auch besichtigt werden kann.

Im März 2008 wurden während eines Hurrikans Bunker vom Strand freigelegt. In einem der Bunker waren noch alle Einbauten gut erhalten. Man fand eine Schuhbürste mit dem Namen „Saalfeld“. Gerhard Saalfeld diente als junger Soldat in der Kryle-Ringelnatter-Stellung. Nach dem Krieg hatte er viele Jahre Urlaub hier an der Küste gemacht und nach „seinem Bunker“ gesucht, der jetzt durch das Unwetter freigelegt worden war.
Die Bunkerwanderung ist für uns, die den Krieg nur aus Büchern und Filmen kennen sehr interessant und lehrreich. Sich einmal in das Leben der Soldaten zu versetzen, bringt einen Besucher schon sehr zum Nachdenken.

Leuchtturm Lyngvig Fyr
Der Leuchtturm Lyngvig Fyr liegt auf Holmslands Klit zwischen den Orten Hvide Sande und Søndervig an der Nordsee. Holmslands Klit ist eine Nehrung, die den Ringkøbing Fjord von der Nordsee trennt. Der 1906 erbaute Leuchtturm wurde auf einer 17 Meter hohen Düne erbaut und ist 38 Meter hoch. Über 229 Stufen ist die obere Plattform zu erreichen und bietet einen traumhaften Ausblick über die Nordsee und die Dünenlandschaft.
Der Grund für die Erbauung des letzten dänischen Leuchtturmes an der Nordseeküste war die Strandung des Dampfschiffes „Avona“, bei der drei Jahre zuvor, 24 Seeleute ums Leben kamen.

Der Leuchtturm ist aus Ziegeln gebaut und die Türen und Fenster sind aus Teakholz. Als Linse wurde eine Fresnel-Linse verwendet und mit einem Acetylenbrenner ausgestattet. Gedreht wurde die Linse durch ein Gewicht, dass sich durch das ganze Treppenhaus bewegte und nach vier Stunden wieder hinaufgezogen werden musste. Erstmals wurde die Lichtquelle 1920 durch einen Petroleumglühstrumpfbrenner ausgetauscht und oftmals modernisiert. Seit November 2011 wurde das Leuchtfeuer durch eine außen angebrachte Leuchtdioden-Laterne ersetzt.
In den Nebengebäuden ist heute die Geschichte des Leuchtturmes, ein Café und ein Souvenirshop untergebracht. Für die Seefahrt hat der Leuchtturm heute keine Funktion mehr. Er ist nur noch eine sehr schöne Sehenswürdigkeit an der Nordseeküste auf Holmslands Klit.

Hof Abelines Gaard
Der Hof Abelines Gaard liegt rund acht Kilometer südlich von Hvide Sande. Im Jahre 1974 wurde der unter Denkmalschutz stehende Hof als Museum umgebaut. Der Dünenhof wurde in den Jahren 1854 bis 1871 gebaut und ist heute der einzigste Hof in der Bauweise. Die Ausstellung zeigt das Leben und Arbeiten auf einem Dünenhof vor mehr als 100 Jahren. Das Mobiliar und die anderen Ausstellungsstücke stammen aus den Jahren von 1900 bis 1950 und gehörten teils zum Hof, sind Leihgaben oder Geschenke.

Der als Strandvogt tätige Christian Christensen lebte in der dritten Generation auf dem Hof. Als Strandvogt gehörte es zu seinen Aufgaben den Strand nach schiffbrüchigen Seeleuten und gestrandeten Schiffen abzusuchen, die Seeleute zu beherbergen und das Strandgut bei Auktionen zu verkaufen.
Die junge Abeline zog 1890 auf den Hof und heiratete Laurids einen der Söhne des Hofes. Das Glück hielt nicht sehr lange, da Laurids 1904 verstarb und Abeline seit der Zeit mit ihren fünf Kindern allein auf dem Hof lebte. Mit der Hilfe ihrer Kinder betrieb Abeline den Hof bis sie im Jahre 1957 verstarb.
Die gestrandeten Seeleute wurden im Laufe der Jahre weniger aber dafür schliefen die ersten Strandgäste in Abeline’s Stube.
Um sich einmal einen Eindruck über das Leben auf einem Dünenhof zu machen ist ein Besuch in Abelines Gaard sehr interessant und in der „guten Stube“ kann man einkehren und sich mit Kaffee und Kuchen verwöhnen lassen.

Vikingehavn in Hemmet – Wikinger Freilichtmuseum
Mit dem Eintreten in das Freilichtmuseum Vikingehavn geht man in der Zeit circa 1.000 Jahre zurück. Auf dem großzügig angelegten Museumsareal ist ein Wikingerdorf mit den für die Zeit typischen Langhäusern, vielen Zelten, einem Kampfplatz und vielem anderen nachgebaut worden.
Zu Zeiten der Wikinger war der Ringkøbing Fjord noch eine offene Bucht an der Nordsee, sodass die Wikinger mit ihren Schiffen direkt aufs offene Meer segeln konnten.

Während man über das Gelände läuft sieht man die Einwohner wie sie ihrer Arbeit nachgehen und alle sind gekleidet wie vor 1.000 Jahren. Frauen sitzen vor den Zelten nähen Kleidung, stellen Schmuck her, die Männer arbeiten in der Werft, der Schmiede oder üben auf dem Kampfplatz und die Kinder spielen, also ein ganz normaler Tagesablauf.

Die Bewohner des Dorfes sind immer gerne bereit über ihr „Leben als Wikinger“ mit ihren Gästen zu sprechen und viele Geschichten zu erzählen. Zudem hat man die Möglichkeit die Kleidung anzuprobieren, beim Brote backen zu helfen, die Kampftechniken zu probieren und so am Dorfleben aktiv teilzunehmen.
Beim jährlichen Wikingermarkt, der immer Anfang August stattfindet, reisen mehr als 300 Wikinger an um sich und die Geschichte zu präsentieren. Während des Frühjahrs und in den Sommermonaten immer häufiger, finden die verschiedensten Wikinger-Events im Museum statt.
Dem Museum ist ein Shop angeschlossen in dem Wikinger-Souvenirs, ausgefallener Schmuck und vieles mehr angeboten wird, die auch Jahre später noch an den Besuch bei den Wikingern erinnern. Ein Besuch bei den Wikingern ist ein Erlebnis für die ganze Familie.

Restaurantempfehlungen am Ringkøbing Fjord
Gasthof Fahl Kro
Der Gasthof Fahl Kro liegt direkt neben dem Wikinger-Museum und wurde 1859 in dem für Westjütland typischen Stil erbaut. Der Wunsch nach dem Bau des Gasthofes entstand aufgrund des vielen Heus auf der Halbinsel zwischen den Orten Tipperne und Værnengene.
Jedes Jahr mussten sich die Landwirte das „recht zum Anbau und Bergen“ des Heus auf der Tipper-Auktion erwerben. Diese jährlichen Auktionen waren nach kurzer Zeit ein riesiges Volksfest und man brauchte einen Ort zum Essen, Trinken und Schlafen und so baute man Fahl Kro.

Bereits 1860 bekam der Wirt die Erlaubnis neben dem Gasthof auch einen Krämerladen zu betreiben. Heute sind in dem Museum viele Bilder ausgestellt, die die Geschichte des Gasthofes anschaulich darstellen und in der „Guten Stube“ wird dem Besucher frischer Kuchen und Kaffee angeboten.

In den Monaten Juli, August sowie in den Herbstferien findet der gemütliche Donnerstagabend statt. An diesen Abenden werden Eierkuchen angeboten, Musik wird gespielt und Mutter Kro erzählt Anekdoten aus der Geschichte des Gasthofes. Für diese Abende sollte man sich einen Tisch reservieren lassen.
Nach dem Besuch der vielen Sehenswürdigkeiten in den letzten Tagen, fand der heutige Tag einen schönen Abschluss mit einem Abendessen im Restaurant Sandgaarden in Søndervig.

Restaurant Sandgaarden in Søndervig
Das Restaurant Sandgaarden liegt direkt vor den Dünen auf dem Weg zum Nordseestrand. Eine Terrasse und die breite Fensterfront bieten einen schönen Ausblick auf den Ort und die Dünenlandschaft. Das Restaurant bietet circa 40 Gästen Platz und für die große Familienfeier oder die besondere Veranstaltung ist in der ersten Etage noch einmal Platz für 15 bis 60 Gäste.

Lars Pinholt, der jetzige Inhaber, machte seine Ausbildung als Koch im Restaurant Sandgaarden. Um sich weiterzubilden verließ er nach seinem Abschluss das Restaurant. Im Frühjahr 2010 kehrte er ins Restaurant zurück und wurde die „rechte Hand“ des damaligen Besitzers Kurt Kjær Jensen. Im Jahre 2014 haben Tina und Lars Pinholt das Restaurant Sandgaarden übernommen und sich damit einen langgehegten Traum erfüllt.

Das Restaurant Sandgaarden serviert vom einfachen Mittagstisch mit kleineren Gerichten bis zu besonderen á la Carte Menüs am Abend alles frisch zubereitet. Für die einzelnen Gerichte werden vorwiegend Zutaten aus dem regionalen und biologischen Anbau verwendet. Fleisch- und Fischgerichte aus Westjütland kommen neu interpretiert auf den Teller. Zudem bietet der Weinkeller eine große Auswahl an internationalen Weinen.

Bei meiner Ankunft im Restaurant Sandgaarden wurde ich sehr nett und freundlich empfangen und zu meinem Tisch geleitet. Das von mir ausgewählte Menü war ausgezeichnet und der mir empfohlene Wein passte hervorragend. So hat mein sehr ereignisreicher Tag, mit Besuchen in einigen Museen, einen wunderschönen Abschluss im Restaurant Sandgaarden gefunden.
Fazit – Ringkøbing Fjord
Der Rinkøbing Fjord hat mir mit seiner Vielseitigkeit sehr gut gefallen und meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Da ist kleine Stadt Ringkøbing mit ihren hübschen Häusern, die Kunsthandwerker mit ihren ausgefallenen Waren und der Fjord mit seiner schönen Landschaft. Dazu die Nähe zu Holmslands Klit mit Hvide Sande und dem kilometerlangen Sandstrand.
Außerdem sind rund um den Ringkøbing Fjord viele Sehenswürdigkeiten und Museen angesiedelt, sodass man viel über die Region lernen kann. Zudem lässt sich der Ringkøbing Fjord mit dem Fahrrad umrunden oder man kann ihn auch in einzelnen Etappen umfahren. Das Fahrradnetz ist sehr gut ausgebaut.

Im Hotel Fjordgården, in dem ich während der Zeit gewohnt habe, fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und versorgt. Zudem war es von der Lage her ein idealer Ausgangspunkt für meine Ausflüge rund um den Ringkøbing Fjord.
Meine Zeit am Ringkøbing Fjord war wunderschön und sehr informativ. Es war zwar das erste Mal, dass ich in Westjütland war, aber bestimmt nicht das letzte Mal. Jetzt kann ich die vielen Touristen verstehen, die ihren Urlaub immer in Dänemark verbringen.
Häufige Fragen zum Ringkøbing Fjord & Hvide Sande
Wo genau liegt der Ringkøbing Fjord?
An der Westküste Jütlands in Dänemark. Der Fjord ist durch die schmale Nehrung Holmslands Klit von der Nordsee getrennt. Die wichtigsten Orte sind Ringkøbing, Hvide Sande und Søndervig.
Wie reise ich am besten an?
Die Region eignet sich gut für ein langes Wochenende aus Norddeutschland und ist bequem mit dem Auto zu erreichen. Vor Ort ist ein Auto praktisch, weil die Sehenswürdigkeiten rund um den Fjord verteilt liegen – viele Wege lassen sich aber auch gut mit dem Fahrrad zurücklegen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Juli und August sind Hochsaison – dann finden der Kunsthandwerkermarkt (montags) und das Sandskulpturenfestival statt. Wer es ruhiger mag, reist in der Nebensaison; der Kunsthandwerkermarkt findet dann etwa alle vier bis sechs Wochen statt.
Wie viele Tage sollte ich einplanen?
Für Strand und die Stadt Ringkøbing reicht ein langes Wochenende. Wer zusätzlich Leuchtturm, Museen, das Kunsthandwerk und Søndervig erleben möchte, sollte vier bis sieben Tage einplanen.
Was kann man bei schlechtem Wetter unternehmen?
Das Ringkøbing Museum und der Hof Abelines Gaard sind ideale Schlechtwetter-Ziele. Auch der Kunsthandwerks-Shop, das Künstlerhaus Art 56 und eine Führung durch die Kerzenmanufaktur lassen sich wunderbar bei Wind und Regen genießen.
Ist die Region für entspanntes Reisen und Senioren geeignet?
Sehr gut sogar. Die Wege sind kurz, die Orte überschaubar, und man hat einen ruhigen, zentral gelegenen Ausgangspunkt. Strandspaziergänge, Museen und der Kunsthandwerkermarkt lassen sich in gemächlichem Tempo genießen.
Lohnt sich der Aufstieg auf den Leuchtturm Lyngvig Fyr?
Ja – wenn man die 229 Stufen schafft. Von der Plattform in 38 Metern Höhe hat man einen traumhaften Rundblick über Nordsee, Fjord und Dünenlandschaft.
Kann man Ringkøbing Fjord und Bornholm verbinden?
Beide sind wunderschön, liegen aber an entgegengesetzten Enden Dänemarks: der Ringkøbing Fjord an der Nordsee im Westen, Bornholm in der Ostsee weit im Osten. Für einen Urlaub lohnt es sich, eine Region zu wählen.
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